SF217 Sorge gut für Dich
Körper, Seele, Geist: Das dritte Feld der Sieben Felder der Selbstführung
- Wann haben Sie sich das letzte Mal eine wirkliche Pause gegönnt – ohne Handy, ohne Programm, einfach nur Raum zum Atmen?
- Vertrauen Sie Ihren eigenen Gedanken – oder werden Sie bereits von Ihren Social-Media-Feeds geprägt?
- Und wie gut kümmern Sie sich tatsächlich um Ihren Körper, Ihre Seele und Ihren Geist, ganz praktisch?
- Schaffen Sie sich Momente der Reflexion, der Muße, trauen Sie sich noch, zu träumen?
Und damit willkommen zu einer neuen Soloepisode von „Selbstführung und Leadership Development“.
Mein Name ist Burkhard Bensmann und ich begleite unternehmerische Menschen im In- und Ausland, vor allem in Veränderungssituationen – und heute lade ich Sie dazu ein, mehr auf Körper, Seele und Geist zu achten.
Ich habe gerade die Arbeit an meinem “großen” Buch abgeschlossen, das viele von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, sicher kennen: “Wirksam handeln durch Selbstführung”. Bei dieser mittlerweile vierten und in großem Maße überarbeiteten und ergänzten Auflage dreht sich vieles um das Thema KI.
Mir ist im Recherchieren und Schreiben deutlich geworden, wie stark Digitalisierung und speziell KI unsere Arbeitswelt zunehmend beeinflussen. Das hat auch Auswirkungen auf Körper, Seel und Geist bei jedem von uns. In der heutigen Episode gibt es darum auch einen Exkurs zum Thema “Selbstführung im Zeitalter der KI.”
Wenn Sie langjährige Hörerin oder langjähriger Hörer dieses Podcasts sind, dann kennen Sie natürlich mein Modell der Sieben Felder der Selbstführung. Wenn Sie das Modell noch einmal im Schnelldurchlauf kennenlernen wollen, dann empfehle ich Ihnen die Podcast-Episode SF50 “Die Sieben Felder der Selsbtführung – ein schneller Durchlauf” (https://ld21.de/sf50-sieben-felder-der-selbstfuehrung/). Den link setze ich in die Shownotes. Im dritten Feld geht es um den Dreiklang von Körper, Seele und Geist. Dieses Feld verbindet Ihre körperliche Wahrnehmung und Fürsorge, Ihre seelische und emotionale Tiefe sowie Ihre geistige Beweglichkeit. Zusammen bilden diese drei Bereiche die Grundlage für Resilienz, innere Klarheit und eine langfristig tragfähige Leistungsfähigkeit.
Wir schauen uns in dieser Episode an, wie kleine tägliche Gewohnheiten – körperlich, mental, emotional – Ihre Fähigkeit prägen, sich selbst und andere wirksam zu führen. Und ich stelle Ihnen ein paar direkte Fragen, mit denen Sie bei sich selbst „einchecken“ können. Am Ende dieser Episode haben Sie konkrete Schritte vor Augen, wie Sie jeden dieser Bereiche in Ihrem Alltag stärken können.
Teil 1 – Körper: Rhythmus, Rituale, Resilienz
Beginnen wir mit dem Körper – unserem greifbarsten (im wahrsten Sinne) Ausgangspunkt. Selbstführung bedeutet, mit dem eigenen Körper in Kontakt zu sein. Dazu gehört, auf Ihre natürlichen Rhythmen zu hören, Ihre Energiereserven zu pflegen und Rituale zu entwickeln, die Leistung und Erholung unterstützen. Meine Fragen an Sie:
Welche Rhythmen prägen Ihren Tag?
Arbeiten Sie mit Ihrem Körper – oder eher gegen ihn?
In meinen Coachings höre ich immer wieder, dass viele Führungskräfte Ausgleich und Klarheit durch einfache Rituale finden – zum Beispiel durch Ausdauersport, Yoga oder lange, stille Spaziergänge. Es geht nicht darum, zum Fitness-Guru zu werden. Es geht darum, eine tragfähige Basis zu schaffen, damit Ihr Geist überhaupt auf hohem Niveau arbeiten kann. Einfache Rituale – eine kurze Dehnübung am Morgen, bewusst Wasser trinken, ein Spaziergang zwischen zwei Meetings – können Ihre innere Balance neu justieren. Und ja, das braucht Selbstdisziplin. Aber genau das kennzeichnet Selbstführung: Sie wählen bewusst das, was Sie stärkt – nicht das, was Sie nur kurzfristig stimuliert.
Der Körper ist der Tempel der Seele – Sie kennen diese Formulierung (wobei ich keine genaue Quelle dafür gefunden habe). Wenn Sie ihn respektvoll behandeln, wird er Sie in den Herausforderungen Ihres Alltags zuverlässig unterstützen.
Teil 2 – Geist: Denkmuster und mentale Modelle
Wechseln wir zum Geist – zu Ihren Überzeugungen, Annahmen und Ihrem inneren Dialog. Was glauben Sie über sich selbst, besonders dann, wenn Sie vor einer Herausforderung stehen? Vertrauen Sie darauf, dass Sie Situationen gestalten können – oder setzen sich bei Ihnen innere Zweifel durch?
Hier ist der Begriff der Selbstwirksamkeit zentral. Albert Bandura hat ihn geprägt. Selbstwirksamkeit beschreibt unseren Glauben daran, dass wir Situationen bewältigen und Ergebnisse beeinflussen können. Das ist ein wissenschaftlich gut untersuchtes Konzept – und es macht häufig den Unterschied zwischen Handeln und Vermeiden. Wenn Ihre innere Stimme sagt: „Ich finde einen Weg“, sind Sie bereits in Bewegung. Wenn sie sagt: „Ich kriege das sowieso nicht hin“, folgen Ihre Handlungen – und Ihre Ergebnisse – genau diesem Drehbuch. Deshalb ist die Arbeit an Ihren Denkmustern eine Kernarbeit der Selbstführung.
Ein Einstieg kann so aussehen:
Identifizieren Sie Ihre inneren Geschichten. Woher kommen sie? Aus der Kindheit und Jugend?
Dienen sie Ihnen heute noch – oder halten sie Sie eher klein?
In meinem Podcast-Archiv finden Sie eine Episode zum Thema Selbstführung und mentale Stärke. Es ist die Episode SF174 Mentale Stärke aufbauen (https://ld21.de/mentale-staerke-aufbauen/) Hören Sie dort gern hinein, wenn Sie dieses Feld vertiefen möchten.
Einige Merksätze:
Ihre Gedanken sind nicht automatisch Tatsachen, sondern zunächst einmal Deutungsversuche Ihres Gehirns.
Vieles davon entsteht aus Gewohnheit – aus wiederholten Bewertungen, alten Erfahrungen und übernommenen Glaubenssätzen.
Wenn Sie diese inneren Kommentare als solche erkennen, gewinnen Sie Spielraum: Sie können prüfen, ob ein Gedanke hilfreich ist, und ihn Schritt für Schritt durch passendere Überzeugungen ersetzen.
Gewohnheiten lassen sich ändern…
Teil 3 – Seele: innere Haltung, Sinn und Flow-Balance
Kommen wir zur Seele – offenbar die schwer greifbarste, aber zugleich eine zentrale Dimension. Im westlichen Kontext verstehen wir unter Seele heute meist die subjektive Innenwelt eines Menschen. Während der Körper die Basis ist und der Geist die Steuerung übernimmt, ist die Seele die Instanz, die dem Leben Farbe, Tiefe und Bedeutung verleiht. Es ist der innere Resonanzraum: das, was Sie wirklich bewegt, was Sie antreibt – und was Sie verstummen lässt. Dazu gehören Ihr Sinnverständnis, Ihre Werte, die Art, wie Sie auf die Welt blicken, und wie Sie mit sich selbst umgehen, vor allem in Belastungssituationen.
Viele leistungsorientierte Menschen sind fast ständig im Modus der Abarbeitung: Aufgaben erledigen, Ziele erreichen, Ergebnisse liefern. Wenn dabei aber die innere Tiefe und Stimmigkeit fehlt, können selbst beeindruckende Erfolgsbiografien am Ende seltsam leer wirken.
Der Schlüsselgedanke lautet:
Streben Sie nicht nach einer statischen „Work-Life-Balance“ – die gibt es so nicht. Es ist – wie ich schon in anderen Podcast-Episoden ausgeführt habe – ein irreführender Begriff.
Streben Sie eher nach einer Art Flow-Balance zwischen Ihren Lebensbereichen.
Stellen Sie sich ein Mobilé vor: ein bewegliches Kunstwerk aus fein austarierten, aufgehängten Elementen, die auf Luftbewegungen reagieren.
Wenn sich ein Teil bewegt, müssen die anderen sich mitverändern, damit das Ganze nicht aus dem Gleichgewicht fällt.
Welche „Figur“ Ihres persönlichen Mobilés ist im Moment aus dem Gleichgewicht geraten?
Und was würde Ihnen helfen, dieses Gefüge wieder etwas besser auszurichten?
Übrigens ist auch Muße ein hilfreicher Ansatz. Es lohnt sich , sich zu fragen:
Wann haben Sie sich das letzte Mal erlaubt, sich zu langweilen? Muße ist kein Luxus und keine Faulheit. Sie ist eine Form von mentaler Hygiene. Hirnforscher wie Daniel Goleman weisen darauf hin, dass unsere Aufmerksamkeit ermüdet. Wir brauchen Phasen der Ziellosigkeit, in der Natur, in Stille, um unsere kognitive Kraft zu erneuern.
Gehen Sie nach draußen. Lassen Sie das Handy liegen. Schauen Sie einfach nur in den Himmel und beobachten Sie die Wolken. In solchen unstrukturierten Momenten tauchen oft unsere besten Ideen und unser tiefstes Gefühl von Ruhe auf. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis zur Pause.
In diesen Pausen taucht häufig wieder auf, was Ihnen wirklich wichtig ist.
Teil 4 – Achtsamkeit und Stärke für die Zukunft
Achtsamkeit ist kein Modewort, sondern eine Notwendigkeit. Der Zukunftsforscher Matthias Horx beschreibt Achtsamkeit so, dass wir nicht hilflos von unseren Emotionen getrieben werden. Wir werden zu Beobachtenden unserer inneren Landschaft. Wir entwickeln eine Meta-Ebene – wir sehen uns quasi selbst dabei zu, wie wir denken, fühlen und handeln. Achtsame Menschen reagieren nicht nur – sie wählen. Hier können Sie direkt ansetzen:
- Etablieren Sie ein kleines tägliches Ritual – zum Beispiel 5 Minuten Stille oder ein kurzes Journaling.
- Identifizieren Sie einen einschränkenden Glaubenssatz – und formulieren Sie ihn neu.
- Bringen Sie Ihren Körper gezielt in Bewegung – selbst wenn es nur 10 Minuten sind.
Mit der Zeit werden diese kleinen Handlungen zu Ankerpunkten. Durch Achtsamkeit bauen Sie innere Stärke auf, um Unsicherheit und Komplexität mit mehr Klarheit und Ruhe zu begegnen.
Exkurs – Selbstführung im Zeitalter der KI
Machen wir einen kurzen Exkurs. Selbstführung bedeutet heute auch, die Systeme zu verstehen, die uns beeinflussen – eine der mächtigsten Entwicklungen in diesem Kontext ist Künstliche Intelligenz. KI kuratiert Ihre Nachrichten, steuert Ihren Social-Media-Feed und schlägt Ihnen vor, was Sie als Nächstes denken, kaufen oder tun sollen (Beispiel Amazon-Bestellungen). Der Punkt ist: KI ist nicht nur ein technisches Thema – sie ist ein Führungsthema. Ich habe es in mehreren Blogbeiträgen und Podcast-Episoden angesprochen: KI-Systeme verhalten sich zunehmend wie Berater oder Agenten.
Sie können Ihre Produktivität unterstützen – oder Ihre Aufmerksamkeit subtil in andere Richtungen ziehen. Darum bedeutet Selbstführung im Zeitalter der KI, ein persönliches „KI-Cockpit“ zu entwickeln:
Eine bewusste Übersicht, wo und wie KI Ihr Leben und Ihre Arbeit beeinflusst.
Sie müssen kein Technikexperte werden. Aber Sie brauchen Klarheit:
Welche Tools dienen tatsächlich Ihrer Mission und Ihren Zielen?
Welche Systeme unterstützen Ihr Wohlbefinden, Ihre Konzentration, Ihre Werte?
Fragen Sie sich: Führe ich die Tools – oder führen die Tools mich?
Gestalten Sie Ihr digitales Umfeld aktiv. Machen Sie Technologie zu Ihrer Verbündeten – nicht zu Ihrem heimlichen Chef. (Dazu habe ich in der neuen Auflage meines Buchs auch ein eigenes Tool vorgestellt, das “KI-Radar”.)
Hier kommt eine Aufgabe für Sie in dieser Woche:
Nehmen Sie sich 10 Minuten und reflektieren Sie Ihre digitale Umgebung.
- Welche KI-basierten Tools nutzen Sie täglich?
- Passen diese Werkzeuge zu Ihren persönlichen Zielen – oder erzeugen sie eher Ablenkung?
- Wo könnten Sie ein Stück Ihrer Aufmerksamkeit zurückholen?
Wählen Sie eine App oder ein Tool und entscheiden Sie: Entfernen, ersetzen – oder bewusst anders nutzen.
Selbstführung im digitalen Zeitalter beginnt mit bewussten Entscheidungen. Jede kleine Entscheidung, mit der Sie Ihre Aufmerksamkeit zurückholen, ist ein Schritt zu mehr Autonomie und Wirksamkeit. Soweit dieser kurze Exkurs zu Selbstführung im Zeitalter von KI.
Reflexion und Aktion
“Sorge gut für Dich – Körper, Seele, Geist” – so habe ich diese Episode genannt. Hier zur Abrundung 5 Tipps:
- Nähren Sie Ihren Körper – durch Bewegung, Schlaf und gute Ernährung.
- Trainieren Sie Ihren Geist – indem Sie alte Denkmuster hinterfragen.
- Hören Sie auf Ihre Seele – was ist für Sie jetzt wirklich von Bedeutung?
- Justieren Sie Ihre Lebensbereiche neu – wie ein Mobilé, nicht wie eine starre Waage.
- Schützen Sie Ihre Aufmerksamkeit – besonders vor digitaler Überreizung.
Und vor allem: Was würde es für Sie heute konkret bedeuten, sich gut selbst zu führen?
Veränderung entsteht selten durch große Sprünge, sondern durch kleine, konsequent wiederholte Schritte.
Konkrete Herausforderung für diese Woche – hier ist Ihre persönliche Aufgabe:
Wählen Sie einen der drei Bereiche – Körper, Seele oder Geist – und formulieren Sie eine kleine Selbstverpflichtung für diese Woche. Suchen Sie sich etwas, das überschaubar, machbar und gleichzeitig bedeutsam ist.
- Vielleicht schalten Sie Ihr Handy abends zwei Stunden früher aus.
- Vielleicht planen Sie einen Spaziergang ohne Ablenkung fest ein.
- Oder Sie schreiben drei Glaubenssätze auf, die Sie in Zukunft verändern möchten.
Kleine Handlungen, mit Achtsamkeit wiederholt, werden zu echter Veränderung. Teilen Sie Ihre Selbstverpflichtung mit einem Menschen, dem Sie vertrauen – und laden Sie ihn oder sie ein, sich anzuschließen.
Abschluss
Das war die heutige Episode von „Selbstführung und Leadership Development“.
Wenn diese Episode für Sie hilfreich war, teilen Sie sie gern mit jemandem, der im Spannungsfeld von Leistungsanspruch, Gesundheit und digitaler Überreizung unterwegs ist und Impulse für mehr innere Balance gebrauchen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wirksame Zeit, Ihr Burkhard Bensmann.
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Musik im Vor- und Nachspann
by Joakim Karud http://soundcloud.com/joakimkarud