Zum Hauptinhalt springen

SF216 Fokus statt Dauerstress

| Burkhard Bensmann

Selbstführung im KI‑Zeitalter: Wie Top‑Führungskräfte ihre Aufmerksamkeit schützen können

Wie oft starten Sie Ihren Tag bereits im Reaktionsmodus – bevor Sie überhaupt an Ihren wichtigsten Themen arbeiten?
Welche Informationen in Ihrem Umfeld sind wirklich belastbar – und welche sind nur laut, emotional oder manipulativ?
Und: Nutzen Sie KI bereits als produktiven Partner – oder erzeugt sie vor allem zusätzlichen Druck, weil alle erwarten, dass Sie „eine klare KI‑Strategie“ haben?

Und damit willkommen zu einer neuen Soloepisode von „Selbstführung und Leadership Development“.
Mein Name ist Burkhard Bensmann und ich begleite unternehmerische Menschen im In- und Ausland, vor allem in Veränderungssituationen.
Als Executive Coach und Berater bearbeite ich das Thema KI seit zwei Jahren sehr intensiv. Ein Baustein in meinem Coaching-System: KI-Impulse für CEOs, Inhaberinnen und Geschäftsführer.
KI ist Segen und Fluch zugleich und wir müssen lernen, wie wir uns die KI zunutze machen. KI soll uns helfen, uns zu fokusiieren und das Eigentliche im Blick zu behalten.

Heute geht es deshalb um eine Kernfrage angemessener Führung: Wie führen Sie sich selbst, wenn der Informationsstrom nie endet, KI das Tempo erhöht und gleichzeitig das Risiko von Desinformation und Deepfakes wächst? In dieser Folge mache ich mit Ihnen einen praktischen Rundgang durch drei Bausteine – mit Reflexionsfragen.

Übrigens: Ich habe wegen dieser Thematik zur Jahreswende ein neues, sehr kompaktes Buch auf Englisch geschrieben. 
Titel: Lead Yourself in a Crazy World. Die Hinweise hier beziehen sich auf die Inhalte des Buchs – darin ergänze und vertiefe ich sie. Am Ende des Podcasts gebe ich noch einen Hinweis dazu. 
Den link zur Bezugsquelle des Buchs finden Sie hier: https://www.amazon.de/dp/B0G7MBSC8W.

So, jetzt aber zum Thema dieser Episode: Fokus statt Dauerstress…

Warum dieses Thema gerade jetzt

Viele Führungskräfte erleben morgens schon vor 9 Uhr: E‑Mails, Chats, Gruppen, News, interne Themen – und bevor die „eigentliche Arbeit“ beginnt, ist der Kopf bereits voll.
Hinzu kommt: Inhalte sind nicht nur komplexer geworden – sie sind schwerer zu bewerten, weil KI Texte, Bilder, Audio und Video erzeugen kann, die authentisch wirken. Aus meiner Sicht wird 2026 das Jahr sein, in dem die deepfakes zu einem zentralen Problem werden.
Der erste Baustein, über den ich hier sprechen will, lautet deshalb: Schützen Sie Ihren Geist – denn Aufmerksamkeit ist eine strategische Ressource.
Der zweite: Erstellen Sie einen simplen Trust‑Filter, der Sie handlungsfähig hält.
Und der dritte Baustein: Werden Sie ein bewusster Nutzer der KI – mit klugem Einsatz und notwendiger Abgrenzung.
Starten wir mit dem ersten…

1) Aufmerksamkeit schützen: Ihre Fokus-Regeln

Was es ist

„Fokus‑Regeln“ sind Ihr persönliches, bewusstes Regelwerk dafür, wann Informationen in Ihr Bewusstsein dürfen – und wann nicht. Sie legen fest, wie Sie mit E‑Mails, Chats, News und Meetings umgehen, damit Sie wieder verlässlich Denkzeit für das Wesentliche haben. Der Punkt ist nicht, weniger Input zu bekommen, sondern die Kontrolle über Timing und Kanäle zurückzugewinnen.

Warum das wichtig ist

Wenn Ihr Tag aus Dutzenden Unterbrechungen besteht, verlieren Sie nicht nur Zeit – Sie verlieren Denkraum für strategische Entscheidungen.
Und genau dafür werden Führungskräfte bezahlt: Prioritäten setzen, Orientierung geben, tragfähige Entscheidungen treffen.

Reflexionsfrage

Wann am Tag ist bei Ihnen das mentale Rauschen am stärksten – morgens, nachmittags, abends? Und wodurch entsteht es: Meetings, E‑Mail, Messenger, News, Social Media?

Praxisimpuls: Drei Regeln, die sofort wirken

  1. Zwei bis drei feste E‑Mail‑Fenster am Tag statt Dauer‑Reaktion.
  2. Ein 60–90‑Minuten‑Fokusblock täglich, Benachrichtigungen aus, keine Parallelkanäle.
  3. Meeting‑Disziplin: keine Telefone auf dem Tisch, wenn es um strategische Entscheidungen geht.

Und wenn Sie das testen wollen: Nicht als neues Großprojekt – sondern als Experiment.

Kommen wir zum zweiten Baustein:

2) Trust‑Filter: Entscheiden, was Sie glauben – bevor Sie handeln

Was es ist

Sie brauchen keine perfekte Gewissheit. Sie brauchen vor allem einen praktischen Filter, der die Frage beantwortet: „Verdient diese Information meine Aufmerksamkeit und ggf. eine Handlung?“

Warum es wichtig ist

Deepfakes und koordinierte Desinformation zielen auf Vertrauen – in Personen, Institutionen, Märkte. (oder sie setzen auf Misstrauen)
Und im Führungsalltag reicht ein einziger falscher Impuls, um unnötige Eskalationen auszulösen: intern oder extern.

Der 3‑Fragen‑Filter (kurz, aber wirksam)

Bevor Sie eine kritische Information weitergeben oder darauf reagieren:

  • Wer profitiert, wenn das geglaubt wird?
  • Kann ich es verifizieren – mindestens über eine unabhängige Quelle?
  • Was wäre die Konsequenz, wenn es falsch ist?

Reflexionsfragen

Listen Sie gedanklich drei „kritische Informationen“ (Artikel, Thesen, Posts in social media) der letzten sechs Monate auf, die Sie beeinflusst haben. 

Konnten Sie sie jeweils unabhängig verifizieren – oder haben Sie auf Ihr Bauchgefühl gesetzt?
Waren Sie eher zu negativen Nachrichten hingezogen?
Welche Empfindungen haben die Informationen bei Ihnen ausgelöst?

Merksatz: Glauben Sie nicht alles, was Sie denken! (Quelle unbekannt…).

Praxisimpuls: Quellen‑Minimalismus

Wählen Sie für globale Themen und Branche drei bis fünf hochwertige Quellen – und entscheiden Sie bewusst, welche „Gerüchte‑Kanäle“ Sie konsequent ignorieren (das war gerade ein Thema mit einem Bekannten). Das wirkt simpel – aber es reduziert Komplexität.

3) Partner mit KI: reflektiert statt reaktiv

Was es ist

KI ist nicht nur ein Technikthema. Sie verändert Vertrauen, Entscheidungsqualität und das persönliche Risiko von Führungskräften.
Viele erleben zugleich Neugier und Überforderung – und rutschen dann in zwei Extreme: Tech‑Hype oder Tech‑Verdrängung.
Wie oben bereits erwähnt: Teil meines Coaching-Systems für Top-Führungskräfte sind meine KI-Impulse, die von mir auf die Bedürfnisse miner Kunden zugeschnitten sind.

Warum es wichtig ist

Sie müssen keine KI‑Ingenieurin werden. Aber Sie brauchen eine klare, reflektierte Beziehung zu KI in Ihrer Rolle. Sonst treiben Tools und Erwartungen Sie vor sich her – und das ist wieder Reaktionsmodus.

Drei konkrete Ansätze

1. Ihre KI‑Haltung klären (grün / gelb / rot).

    • Grün: Wo unterstützt KI Ihr Denken, Konzepte, Recherchen, Lernen, Planen?
    • Gelb: Wo testen Sie vorsichtig?
    • Rot: Wo bleibt es bewusst „human‑only“ (z. B. sensitives Feedback, politische Urteile, wertebasierte Entscheidungen)?

    2. Minimal‑Cockpit statt Tool‑Zirkus.
    Wählen Sie eine kleine Auswahl von Tools, die Sie wirklich verstehen und konsequent nutzen – statt ständigem Wechsel.

      3. Cyber‑Hygiene als Selbstführung.
      Gerade Führungskräfte sind attraktive Ziele. Behandeln Sie Stimme und Bild als Assets, die missbraucht werden können, und definieren Sie Regeln für kritische Anweisungen.
      Ein Beispiel, das sofort umsetzbar ist: Für ungewöhnliche finanzielle oder strategische Requests gilt eine Zweitkanal‑Verifikation (Telefonat / persönlich / unabhängiger Kanal).

        Reflexionsfrage

        Welche Aufgabe in Ihrem Alltag würden Sie am liebsten mit KI unterstützen – und welche würden Sie niemals abgeben, weil sie zu sensibel ist?

        Micro‑Rituale: Klarheit im Tageslärm

        Viele unterschätzen die Wirkung kleiner Routinen, die Ihr inneres Steuerzentrum wieder „online“ bringen.
        Drei Beispiele, die sich in der Praxis bewährt haben:

        • 5‑Minuten‑Abendjournal: „Was war heute wirklich wichtig – was war nur Lärm?“
        • Entscheidungslogbuch mit z.B. folgenden Fragen: Was weiß ich, was nehme ich an, was sind meine Kriterien?
        • 30‑Sekunden‑Pause in einem wichtigen Gespräch vor Ihrer Antwort: kurz atmen, dann klären: „Welches Ergebnis will ich mit meiner Antwort?“

        Call-to-action

        Ich wollte noch einmal zu meinem neuen englischen Kompaktbuch “Lead Yourself in a Crazy World” zurückkommen. Weil die Entwicklungen speziell im Kontext von KI derzeit so schnell sind, habe ich das Buch zügig veröffentlicht – es ist quasi noch warm. Sie finden es bei Amazon als ebook und als Print. Den link setze ich in die Shownotes.

        Das Buch enthält:

        • Fünf fokussierte Kapitel zu den zentralen Herausforderungen, mit denen Führungskräfte heute konfrontiert sind.
        • Eine praktische Selbstführungs‑Toolbox (Mission, Vision, KI‑Radar, Medien‑Diät, Planungstage, mentales Immunsystem).
        • Ein kompakter Überblick über die Sieben Felder der Selbstführung – als Rahmen für regelmäßigen Selbstcheck und kontinuierliche Weiterentwicklung.

        Schluss

        Selbstführung im KI‑Zeitalter heißt nicht, sich allen Einflüssen kritiklos auszusetzen. Es heißt vielmehr, die eigene Aufmerksamkeit zu schützen, Information besser zu filtern und KI bewusst als Werkzeug zu nutzen.
        Und ja, ich wollte noch einmal zu meinem neuen englischen Kompaktbuch “Lead Yourself in a Crazy World” zurückkommen. Weil die Entwicklungen speziell im Kontext von KI derzeit so schnell sind, habe ich das Buch zügig veröffentlicht – es ist quasi noch warm. Sie finden es bei Amazon als ebook und als Print. Hier erneut der link: https://www.amazon.de/dp/B0G7MBSC8W

        Das war die heutige Episode von „Selbstführung und Leadership Development“. Wenn diese Folge hilfreich war, teilen Sie sie gern mit jemandem, der oder die ebenfalls “Fokus statt Dauerstress” will.
        Und bevor Sie weitermachen: Notieren Sie sich einen kleinen Schritt, den Sie in dieser Woche wirklich umsetzen – damit aus Einsicht Praxis wird.


        Das neue englische Kompaktbuch

        Lead Yourself in a Crazy World

        Bezugsquelle Amazon: https://www.amazon.de/dp/B0G7MBSC8W


        Musik im Vor- und Nachspann

        by Joakim Karud http://soundcloud.com/joakimkarud

        Burkhard Bensmann

        Meine Philosophie

        „Nur wer sich selbst führen kann, sollte auch andere führen dürfen.“
        Sind Sie bereit, Ihr Führungspotential freizusetzen? Lassen Sie uns gemeinsam Ihre Fähigkeiten speziell in der Selbstführung entwickeln.