SF124 Agilität plus Besonnenheit – drei Ansätze für gelingenden Wandel

Agilität braucht Besonnenheit, um wirksam zu sein

Agilität – das ist doch zwingend notwendig, um heute in der Wirtschaftswelt zu überleben, oder? Wir sind immer an, wir sind „busy“ und wenn wir stehen bleiben, dann werden wir vom Markt zurückgedrängt. Richtig? Hm, ich habe da meine Zweifel und plädiere daher in dieser Podcast-Soloepisode dafür, Agilität mit Besonnenheit zu koppeln. Ich hatte 2019 unter das Fokusthema „Durchatmen – Begeisterung statt Leidenschaft“ gestellt. Hier werde ich einige der Gedanken fortführen.
Das Thema Agilität war bereits im Podcast-Interview mit dem Unternehmer Timo Seggelmann im Zentrum, das war die Episode SF88 „Agile Organisationen entwickeln“ vom August 2018. Damals interessierte es mich insbesondere, wie man ein schnell wachsendes Unternehmen in einem dynamischen Umfeld führt und was wir als unternehmerische Menschen daraus für unsere eigenen Organisationen und für unsere Selbstführung lernen können. Also, die Episode SF88 sei hiermit noch einmal zum Hören empfohlen (es ist eine meiner Top-Episoden, was die Hörerzahl angeht).
Wie ein etabliertes Familienunternehmen die Transformation schafft, das habe ich vor einer Weile im Podcast-Interview mit Moritz Böcking, einem der beiden Geschäftsführer der Klasmann-Deilmann GmbH, erörtert: SF107 „Innovation und Tradition – den Wandel meistern“ (Juni 2019). Auch diese Episode empfehle ich zum (Wieder-) Hören.


Unsere heutigen Inhalte:

  1. Antworten auf die Frage, warum uns die derzeitge Transformation so sehr fordert – und manche überfordert
  2. Definition: Was ist mit Agilität gemeint? und
  3. Drei Ansätze, wie wir Agilität mit Besonnenheit verknüpfen können

Warum belastet uns die Transformation?

Es ist eine Binsenweisheit: Wir leben in turbulenten Zeiten. Aber warum empfinden wir diese Zeit als so schnellebig? Warum befürchten viele, dass Veränderungen vor allem auch Verschlechterungen bringen? Grundsätzliche Veränderungen oder Transformationen hat es, soviel ist klar, immer wieder in der Menschheitsgeschichte gegeben.  Fredmund Malik, der Schweizer Management-Guru, beschreibt warum uns die gegenwärtigen Veränderungen so sehr irritieren („Navigieren in Zeiten des Umbruchs“, 2015). Er führt aus, dass wesentliche Veränderungen sich über ca. 50 Jahre hinwegzogen. Angesichts der vergleichsweise kurzen Lebenserwartung der Menschheit z.B. im Mittelalter oder der Renaissance vollzogen sich Transformationen daher über mehrere Generationen.
„Heute sind 50 Jahre im Leben eines einzelnen Menschen aber nicht mehr lange. Daher wird die gegenwärtige Transformation schwerwiegender sein als die früheren, denn sie wird als dramatischer empfunden werden, weil die demografische und psychologische Ausgangslage verschieden ist. Der Anpassungsdruck“, so Malik weiter, „der sich früher auf mehrere nacheinander lebende Generationen verteilte, trifft heute geballt zwei bis drei gleichzeitig lebende Generationen.“

Neben diesem demografischen Aspekt betont Malik auch den psychologischen. „Keine andere Generation hat bisher ein so hohes Wohlstandsniveau gehabt und daher einen so hohen Verwöhnungsgrad.“ (beides: S. 48)
Wenn ich hier einerseits dafür plädiere, „agil“ zu handeln und gleichzeitig Besonnenheit zu wahren, dann steht das auch im Zusammenhang mit dem Hype um „Digitalisierung“.


Wird “Digitalisierung” übertrieben?

Auf die Frage, ob das Thema übertrieben würde, meinte der Zukunftsforscher Matthias Horx im Interview: “Und wie! In der Art und Weise, wie wir Digitalisierung heute öffentlich diskutieren, handelt es sich um eine Mischung aus Selbstverständlichkeit und Hysterie. Die moderne Form der Digitalisierung erleben wir schon seit mindestens drei Jahrzehnten, wenn nicht länger. 1940 gab es zum Beispiel die ersten Lochkartensysteme, die die Arbeit der Mathematiker ersetzten und das Zeitalter der Computer einläuteten. Das war kein Einzelereignis, sondern Teil eines Prozesses, der bis heute andauert – und übrigens damals schon vorauszusehen war.“ (Interview in „Digitaler Mittelstand“, März 2017)


Definitionen – gemeinsames Verständnis schaffen

Haben wir eigentlich ein gemeinsames Verständnis davon, was „Agilität“ meint? Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert: “Agilität ist die Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.“

Auf der Website von haufe fand ich eine gute Beschreibung der Bedeutung und der Herkunft, Autor ist Prof. Dr. Stephan Fischer, der Artikel ist vom 17.11.2016 (“Definition: Agilität als höchste Form der Anpassungsfähigkeit“). Daraus Auszüge: “Agilität ist kein neues Thema, sondern existiert bereits seit fast 70 Jahren in unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen. Es erhält aber durch die Digitalisierung eine größere Bedeutung und eine hohe Aktualität. […] Das Konzept der Agilität gibt es seit den 1950er-Jahren in der Systemtheorie von Organisationen. […] Die vier Dimensionen von Agilität: Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Kundenzentriertheit und Haltung”

Ich wähle für Agilität hier in dieser Podcast-Episode die Synonyme „schnelles Handeln“, “Flexibilität in Wort und Tat“ und „schnelle Anpassung an Umgebungsbedingungen“. Unter Besonnenheit verstehe ich vor allem reflektiertes Handeln, Umsichtigkeit, Betrachtung der Dinge mit Abstand, das „Sich-nicht-Anstecken-Lassen“. Nachfolgend drei Ansätze, wie wir Agilität mit Besonnenheit verknüpfen können.

Ansatz 1: Plädoyer für einen Wechsel der Phasen: Phasen der Beschleunigung, Phasen der Erholung
Ansatz 2: Plädoyer für Leichtigkeit
Ansatz 3: Hauptaufgaben im Blick behalten

[führe ich in der Podcast-Episode aus]


Tipps zur Vertiefung

Podcast-Episoden
SF88 „Agile Organisationen entwickeln“
SF107 „Innovation und Tradition – den Wandel meistern“

„33 Regeln erfolgreicher digitaler Pioniere.” Zusammengestellt von Microsoft und Markus Albers, http://mb.cision.com/Public/7849/9577019/8b8c358b27f1d08a.pdf


Musik im Vor- und Nachspann
by Joakim Karud http://soundcloud.com/joakimkarud


 

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SF107 Innovation und Tradition: den Wandel meistern – Interview mit Moritz Böcking

Altes loslassen, Neues konsequent fördern

Wie kann ein traditionelles mittelständisches Unternehmen zur agilen Organisation werden? Wie gelingt es, Altes loszulassen und Innovationen konsequent zu fördern? Wie sorge ich als Führungskraft in solchen Fällen auch für mich, um mich nicht zu überfordern, sondern wirksam mit meinen Ressourcen umzugehen? In dieser Podcast-Episode interviewe ich zu diesen Themen Moritz Böcking, Geschäftsführer des Unternehmens Klasmann-Deilmann GmbH in Geeste im Emsland. Das Unternehmen ist ein Hidden Champion und bereits seit 1913 tätig. Auf der Internetseite heißt es: “Unsere Kultursubstrate bilden überall auf der Welt eine wesentliche Grundlage für das Wachstum von Pflanzen und den Erfolg unserer Partner und Kunden im Produktionsgartenbau. Darüber hinaus sind wir ein aufstrebender Anbieter Erneuerbarer Energien und Nachwachsender Rohstoffe.”
Ich kenne das Unternehmen nun schon seit einigen Jahren. Für mich ist es ein spannendes Beispiel für eine Organisation im Um- und Aufbruch.


Unsere Themen

Mit Moritz Böcking spreche ich u.a. über folgende Punkte:

  • das Besondere eines Familienunternehmens
  • die großen Herausforderungen im Wandel
  • die „big points“ und „lessons learned“, die auch für andere Führungskräfte wichtig sind
  • wie es gelingt, Nachwuchskräfte und high potentials zu gewinnen
  • wie der Geschäftsführer selbst mit Entwicklung und Veränderung klarkommt

Moritz Böcking und Burkhard Bensmann (Foto: Klasmann-Deilmann GmbH)

 


links

Homepage der Klasmann-Deilmann GmbH


Musik im Vor- und Nachspann
by Joakim Karud http://soundcloud.com/joakimkarud


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